Emotionen im Kündigungsgespräch

„Damit habe ich nicht gerechnet.“

Die Mitarbeiterin schweigt, schaut auf den Tisch und stellt nach einigen Sekunden dieselbe Frage noch einmal: „Warum ich?“

Die Führungskraft beginnt zu erklären. Doch je mehr sie argumentiert, desto emotionaler wird das Gespräch. Eine neutrale HR-Fachperson im Raum unterbricht nicht die Emotion aber sie hilft, dem Gespräch wieder Struktur und Ruhe zu geben.

Solche Situationen zeigen, dass eine Kündigung selten nur ein administrativer Vorgang ist. Für die betroffene Person kann sie Sicherheit, Zugehörigkeit, Anerkennung und Zukunftspläne gleichzeitig infrage stellen. Entsprechend emotional können Kündigungsgespräche verlaufen.

Überraschung, Enttäuschung, Wut, Angst oder Sprachlosigkeit sind keine ungewöhnlichen Re-aktionen. Auch für Führungskräfte sind solche Gespräche belastend. Sie müssen eine klare Entscheidung vermitteln und gleichzeitig professionell mit der emotionalen Reaktion ihres Ge-genübers umgehen.

Gerade deshalb kann die Anwesenheit einer neutralen HR-Fachperson einen entscheidenden Unterschied machen.


Eine Kündigung wird nicht nur rational verarbeitet

Aus Unternehmenssicht stehen häufig Fakten im Vordergrund wie wirtschaftliche Gründe, Restrukturierungen, Leistungsfragen oder organisatorische Veränderungen.

Für die betroffene Person kommt die Botschaft jedoch häufig auf einer anderen Ebene an. Warum gerade ich? Was bedeutet das für meine finanzielle Zukunft? Wie erkläre ich das mei-ner Familie? War meine Arbeit überhaupt etwas wert? Was denken meine Kolleginnen und Kol-legen über mich?

In diesem Moment treffen sachliche Informationen auf eine emotionale Ausnahmesituation. Die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und differenziert zu verarbeiten, kann dadurch ein-geschränkt sein. Ein Gespräch, das aus Sicht der Führungskraft ruhig und eindeutig verlaufen ist, kann von der gekündigten Person deshalb vollkommen anders erlebt werden.


Auch Führungskräfte sind emotional beteiligt

Dabei wird häufig übersehen, dass auch die kündigende Führungskraft Teil der emotionalen Dynamik ist. Vielleicht hat sie jahrelang eng mit der betroffenen Person zusammengearbeitet. Vielleicht empfindet sie Schuldgefühle. Vielleicht erwartet sie Widerstand oder Vorwürfe. Man-che Führungskräfte werden dadurch besonders sachlich und distanziert, andere beginnen, ihre Entscheidung ausführlich zu rechtfertigen.

Beides kann problematisch werden. Je höher die emotionale Beteiligung auf beiden Seiten ist, desto schwieriger wird es, gleichzeitig empathisch, klar und strukturiert zu bleiben.

Fazit

WhatsApp und andere Teamchats sind aus dem Arbeitsalltag vieler Unternehmen kaum noch wegzudenken. Sie können Zusammenarbeit erleichtern und Teams näher zusammenbringen. Gleichzeitig können sie Grenzen zwischen Beruf und Privatleben verwischen. Und sie können Räume schaffen, in denen persönliche Bemerkungen, unangemessene Bilder, sexistische Witze oder diskriminierende Aussagen schneller entstehen, als den Beteiligten bewusst ist.