Kündigungen in der Probezeit:
Worauf es zu achten gilt

Die Probezeit ist eine entscheidende Phase im Arbeitsverhältnis. Sie gibt sowohl Arbeitgeber:innen als auch Mitarbeitenden die Möglichkeit, herauszufinden, ob die Zusammenarbeit langfristig passt. In der Schweiz können Arbeitsverhältnisse während der Probezeit relativ unkompliziert beendet werden, solange die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Fehler bei der Kündigung können rechtliche Konsequenzen und Konflikte im Betrieb nach sich ziehen.

Gesetzliche Grundlagen der Probezeit

Das Schweizer Obligationsrecht OR regelt die Probezeit und die Kündigung während dieser Phase. Gemäss Art. 335b OR darf eine Probezeit maximal drei Monate dauern, sofern im Arbeitsvertrag nichts anderes vereinbart wurde. Während dieser Zeit beträgt die Kündigungsfrist sieben Tage, ausser der Arbeitsvertrag sieht eine andere Frist vor.
Auch während der Probezeit gelten die Sperrfristen gemäss Art. 336c OR. Das bedeutet, dass eine Kündigung bei Krankheit, Unfall, Schwangerschaft oder Militärdienst nicht rechtswirksam ist. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen diese Schutzbestimmungen unbedingt beachten, um rechtliche Probleme zu vermeiden.

 

Typische Fehler bei Kündigungen

Viele Probleme entstehen nicht durch die gesetzlichen Grundlagen selbst, sondern durch die Umsetzung der Kündigung. Häufig fehlt eine schriftliche Bestätigung, die Mitarbeitenden verstehen den Zeitpunkt oder die Gründe der Kündigung nicht, Sperrfristen werden überschritten oder die Kündigung wird emotional und unstrukturiert durchgeführt. Solche Fehler lassen sich vermeiden, wenn der Prozess sorgfältig geplant und professionell gestaltet wird.

 

Praktische Tipps

Durch unsere langjährige Erfahrung in der Begleitung von Unternehmen bei HR-Prozessen haben wir festgestellt, dass einige Punkte entscheidend sind, um Kündigungen in der Probezeit reibungslos und professionell durchzuführen.

 

Tipp 1: Arbeitsvertrag prüfen

Bevor eine Kündigung ausgesprochen wird, sollte der Arbeitsvertrag sorgfältig geprüft werden. Abweichende Kündigungsfristen, spezielle Vereinbarungen oder Zusatzregelungen können die gesetzliche Basis verändern. Ein Blick in den Vertrag verhindert Fehler, die die Kündigung unwirksam machen könnten, und sorgt dafür, dass sowohl Arbeitgeber:innen als auch Mitarbeitende rechtlich abgesichert sind.

 

Tipp 2: Kündigungsfrist korrekt berechnen

Die gesetzliche Kündigungsfrist während der Probezeit beträgt in der Regel sieben Tage. Diese Frist muss exakt berechnet werden, unter Berücksichtigung von Wochenenden oder Feiertagen, falls dies im Vertrag relevant ist. Eine fehlerhafte Berechnung kann dazu führen, dass die Kündigung nicht rechtswirksam ist und zusätzliche Konflikte entstehen.

 

Tipp 3: Schriftliche Übergabe und Empfang bestätigen

Eine Kündigung sollte immer schriftlich erfolgen, idealerweise persönlich übergeben oder per E-Mail zugestellt. Es empfiehlt sich, den Empfang bestätigen zu lassen, zum Beispiel durch eine Unterschrift oder eine Empfangsbestätigung per E-Mail. So wird sichergestellt, dass es keine Missverständnisse über den Zeitpunkt oder die Gültigkeit der Kündigung gibt.

 

Tipp 4: Sperrfristen beachten

Auch während der Probezeit gibt es Schutzfristen, die beachtet werden müssen. Eine Kündigung während Krankheit, Unfall, Schwangerschaft oder Militärdienst ist rechtswidrig. Vor jeder Kündigung sollte geprüft werden, ob eine Mitarbeitende unter diese Sperrfristen fällt, um rechtliche Probleme zu vermeiden.

 

Tipp 5: Dokumentation aller Gründe

Jeder Schritt im Kündigungsprozess sollte klar dokumentiert werden. Dazu gehören die Gründe für die Kündigung, die durchgeführten Gespräche und alle relevanten Absprachen. Eine sorgfältige Dokumentation schützt das Unternehmen vor möglichen Rechtsstreitigkeiten, schafft Transparenz und zeigt, dass die Entscheidung auf nachvollziehbaren und fairen Kriterien basiert.

 

Tipp 6: Professionelle Vorgehensweise

Eine Kündigung sollte strukturiert, klar und respektvoll kommuniziert werden. Emotionale oder unstrukturierte Gespräche führen häufig zu Unsicherheiten und Konflikten. Eine professionelle Vorgehensweise stärkt das Betriebsklima, reduziert Spannungen und vermittelt den Mitarbeitenden, dass die Entscheidung wohlüberlegt und fair getroffen wurde.

Die Probezeit bietet Flexibilität, aber auch Verantwortung. Wer die gesetzlichen Vorgaben kennt und den Prozess sorgfältig gestaltet, kann Kündigungen fair, rechtskonform und professionell durchführen. Für KMU ist es ratsam, sich bei Fragen rund um HR und Arbeitsrecht praxisnah beraten zu lassen. So wird sichergestellt, dass Kündigungen in der Probezeit korrekt umgesetzt werden und sowohl Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber als auch Mitarbeitende geschützt sind.

Unterstützung?

Mit jahrelanger Erfahrung und grossem Know-how in HR-Prozessen unterstützt MH Personal & Payroll KMU dabei, Kündigungen in der Probezeit korrekt, fair und professionell umzusetzen. Unsere Expert:innen kennen die typischen Stolperfallen, beraten praxisnah und entwickeln Lösungen, die zu Ihrem Unternehmen passen, von der rechtssicheren Umsetzung bis zur Dokumentation und internen Kommunikation.
Profitieren Sie von unserer Expertise und vereinbaren Sie noch heute eine unverbindliche Beratung mit uns.